Erfahrungsbericht

Pflegefachkraft Estelle: Arbeiten in der Schweiz und auf Sint Eustatius

Marieke van der Horst

Eine echte Weltenbummlerin kann man Estelle Dijkgraaf (23) inzwischen nennen. Sie ist erst seit zwei Jahren eine ausgebildete Krankenschwester, hat aber bereits zweimal über TMI im Ausland gearbeitet. Ihr erstes Abenteuer begann im April 2022 auf Sint Eustatius in der Karibik. Nach vier ganz besonderen Monaten setzte sie ihre Reise im Januar 2023 in die Schweiz fort, wo sie fünf Monate im idyllischen Davos gearbeitet hat.

Niedrigkomplexe Pflege auf Sint Eustatius

„Ich hatte immer den Wunsch, als Krankenschwester im Ausland zu arbeiten. Als ich meine Ausbildung zur Krankenschwester abgeschlossen hatte, sah ich die Chance, auf Sint Eustatius zu arbeiten. Diese habe ich mit beiden Händen ergriffen. Vier Monate lang arbeitete ich in einem kleinen Krankenhaus, wo ich oft alleine im Dienst war. Die Insel ist nur 21 km² groß mit etwa 3200 Einwohnern, daher bietet das Krankenhaus nur niedrigkomplexe Pflege an. Wenn es einen größeren Unfall gab, haben wir die Patienten nach Sint Maarten geflogen. Mit den wenigen Mitteln, die uns zur Verfügung standen, musste ich die Patienten auf die andere Insel bringen. Das war eine große Herausforderung, die ich manchmal auch spannend fand, aber ich habe dabei gelernt, erfinderisch zu denken.“

Das Inselleben

Die Insel ist so groß wie Texel, es gibt keine großen Supermärkte, und die Ziegen laufen frei auf der Straße herum. „Ich hatte das Glück, dass ich zusammen mit einer niederländischen Krankenschwester in meinem Alter auf der Insel arbeitete. Gemeinsam konnten wir die Insel erkunden und uns im Beruf einarbeiten. Am Anfang mussten wir uns beide an die andere Kultur gewöhnen. Wir waren eine der wenigen Ausländer auf der Insel, weshalb sich die Leute auch an uns gewöhnen mussten. Anfangs waren sie eher zurückhaltend und ließen uns nicht sofort in ihre Gemeinschaft. Aber als wir einmal ihr Vertrauen gewonnen hatten, konnten wir nichts mehr falsch machen. Wenn ich auf meine Zeit dort zurückblicke, finde ich es bemerkenswert, wie jeder auf der Insel so eng miteinander verbunden ist. Wirklich jeder kennt jeden. Sogar meine Patienten erkannten mich, wenn ich einkaufen ging.“

Warum die Schweiz?

Nach vier Monaten auf einer kleinen Insel verwirklichte Estelle ihren nächsten Traum: Arbeiten in den Bergen. „Die Schweiz stand ganz oben auf meiner Liste. Während meiner Praktika habe ich ein halbes Jahr in Bayern gelebt. Dort habe ich Deutsch gelernt, und so entstand nach meinem Studium die Idee, in der Schweiz zu arbeiten. Ich wollte speziell in Davos arbeiten, weil ich in einem Skigebiet leben wollte. Anja Vos, Account Managerin bei TMI, hat mir geholfen, dies zu verwirklichen, und mich während des Bewerbungsprozesses gut begleitet. In Davos lebte ich oben auf dem Berg im Personalhaus einer Rehabilitationsklinik. Mit einem herrlichen Blick über das Tal und die Berge fühlte sich jeder Tag wie Urlaub an. Nach der Arbeit stand ich oft auf der Piste, sodass ich vergaß, dass ich den ganzen Tag gearbeitet hatte. Es gibt einem so ein freies Gefühl, nach dem ich mich immer noch jeden Tag sehne.“

Schweizer Kollegen

„Am Anfang wirkten die Kollegen etwas distanziert, dafür sind die Schweizer ja bekannt. Mein Team war jedoch supernett. Auf der Station herrschte eine gute Atmosphäre. Besonders mit den jüngeren Kollegen verstand ich mich sehr gut. Nach unserem Dienst gingen wir oft zusammen Skifahren oder unternahmen am Wochenende gemeinsame Ausflüge. In der Schweiz hatte ich ein viel aktiveres Leben und verbrachte viel mehr Zeit im Freien als in den Niederlanden. Das liegt sicherlich an der wunderschönen Umgebung, die dazu einlädt, nach draußen zu gehen. Neben den Schweizern arbeiteten auch viele Menschen aus Deutschland, Polen und den Niederlanden. Ich verbrachte viel Zeit mit zwei niederländischen Mädels. Besonders am Anfang suchten wir oft den Kontakt zueinander, weil wir doch im selben Boot saßen.“

Ein Tag auf der Arbeit

„Ein Arbeitstag begann um 07:00 Uhr morgens. Nach der Übergabe und der Tagesplanung gingen wir alle zusammen frühstücken. Das ist, denke ich, etwas typisch Schweizerisches. In den Niederlanden habe ich nie gemeinsam gefrühstückt. Was mir außerdem auffiel, ist, dass im Krankenhaus mit differenziertem Einsatz von Krankenschwestern und Pflegehilfen gearbeitet wurde. Während in den Niederlanden nur Krankenschwestern eingesetzt werden, arbeiten in der Schweiz auch Pflegehilfen. Das funktioniert sehr effizient, und davon können wir in den Niederlanden noch etwas lernen. Um 16:00 Uhr war unser Arbeitstag zu Ende, und wir machten oft noch ein paar Abfahrten, um den Tag schön abzurunden.“

Zurück in die Berge

„Ich bin froh, dass ich in beiden Ländern gearbeitet und zwei verschiedene Erfahrungen gemacht habe. Auf Sint Eustatius habe ich gelernt, mit wenigen Mitteln zu arbeiten, und in der Schweiz musste ich aufpassen, nicht zu viel mit den Patienten zu wollen. Dadurch konnte ich mich als Krankenschwester im weitesten Sinne des Wortes weiterentwickeln. Für den Moment fühle ich mich in den Niederlanden wohl und beginne bald die Ausbildung zur Notfallpflegerin. Aber wenn ich fertig bin, schließe ich nicht aus, in die Schweiz zurückzukehren, denn die Berge haben mein Herz erobert.“